Aserbaidschaner wird an der Fräse geschult
Weil der Export für Umsatz sorgt, sieht Gerhard Schwickert, Inhaber der Schwickert GmbH in Marienau, die gegenwärtige Krise in der Baubranche relativ gelassen. Das Unternehmen feiert dieser Tage sein 30-jähriges bestehen.

Weil der Export für Umsatz sorgt, sieht Gerhard Schwickert, Inhaber der Schwickert GmbH in Marienau, die gegenwärtige Krise in der Baubranche relativ gelassen. Das Unternehmen feiert dieser Tage sein 30-jähriges Bestehen.
Als 24-Jähriger hat der in Hameln aufgewachsene Gerhard Schwickert am 1. April 1972 die Baumaschinen und Nutzfahrzeug GmbH gegründet. Der gelernte Landmaschinenkaufmann fing mit einem Mitarbeiter an, heute hat er 40. Die Firma zog von Klein Berkel nach Afferde und ist seid dem 1. April 1974 im Coppenbrügger Ortsteil Marienau ansässig. Zur Freude des Geschäftsmannes lautet die Adresse statt „Bertramstraße“ seit zwei Monaten „Schwickertstraße“. Nach Angaben Schwickerts gehört sein Unternehmen zu den 20 größten Händlern in Deutschland. Auf dem vier Hektar großen Firmengelände stehen rund 1200 Nutzfahrzeuge von Daimler Benz, Volvo, VW, Iveco und MAN sowie Baumaschinen von Atlas, Wirtgen, Vögele, HAMM, ABG, Liebherr, Zeppelin, O&K, Caterpillar und Komatsu. Etwa 60 Prozent des Geschäftes macht nach Angaben des Unternehmers der Handel mit gebrauchten Fahrzeugen aus. Zehn Werkstätten in der Region werden regelmäßig mit Aufträgen für Reparatur, Lackierung und Umbau versorgt. „ich schätze, das 20 Mitarbeiter nur für uns arbeiten.“ Einzelheiten über Umsatz oder Gewinn will er nicht nennen.
Schwickert zeigt sich jedoch, im Gegensatz zu den meisten Mitbewerbern, zufrieden mit den laufenden Geschäften. „Wir haben einen schlechten Inlandsmarkt, aber einen sehr guten Export.“ Schuld sei an der heimischen Krise die gegenwärtige Regierung, sagt der Geschäftsmann. „ Die bringt jede Woche ein neues Gesetz, das uns Unternehmer das Leben schwer macht.“ Als Beispiel nennt er die Steuergesetzte, die Ökosteuer, das „ widersinnige“ Garantiegesetz und die Lastwagen-Maut.
Dass das Auslandsgeschäft zu einer tragenden Säule des Unternehmens geworden ist, sei eine Entwicklung der vergangenen zehn Jahre, erläutert Schwickert. „Nach vorn gebracht hat uns auch die Öffnung nach Osten.“ Zurzeit liefert Schwickert Fahrzeuge und Maschinen in 24 Länder-, unter anderen rollten jüngst eine 42-Tonnen-Planierraupe in die Ukraine und ein 60-Tonnen-Bagger nach Ungarn. In den vergangenen Monaten waren außerdem Kunden aus Portugal, Spanien, Niederlande, Norwegen und Estland auf Schnuppertour in Marienau. „Gerade bei gebrauchten Fahrzeugen lege ich Wert darauf, dass der Kunde sie besichtigt“, meint Schwickert. Er berät bei Fragen zu Finanzierung und Zollangelegenheiten. Auch bei der Bedienung der anspruchsvollen Geräte werden die Kunden unterstützt: Kürzlich war der leitende Ingenieur einer Firma aus Aserbaidschan drei Tage vor Ort, um sich im Umgang mit einer Wirtgen-Fräse für die Bearbeitung von Straßenoberflächen schulen zu lassen. „Wir haben auch schon spektakuläre Probleme lösen können“, berichtet er.
Als die damalige Preussag-Prakla die Ausschreibung für ein humanitäres Projekt in der Sahel-Zone gewann, lieferte Schwickert die Lastwagen, die für die geplanten Tiefbohrungen für Brunnen notwendig waren. Vorher wurden sie umgebaut und wüstentauglich gemacht. Auch für den von der Europäischen Union ausgeschrieben Straßenbau in Kamerun, für den eine chinesische Straßenbaugesellschaft den Zuschlag erhielt, lieferte Schwickert die komplette Ausrüstung.

